Drucken

La Réunion

Schüleraustausch mit dem französischen Département Réunion im Indischen Ozean

Seit 2010 organisieren das OSZ Oder-Spree und die Verantwortlichen unserer Partnerschule, dem Lycée Professionnel Les Roches Maigres in Saint-Louis internationale Austausche in der Berufsbildung auf der Insel Réunion. So bekommen Auszubildende des Fachbereichs Elektrotechnik alle zwei Jahre die Möglichkeit, auf diese Insel zu reisen und dort in französischen Unternehmen zu arbeiten. Die Finanzierung erfolgt über das Deutsch-Französische Sekretariat in Saarbrücken.

Im November 2012 war es wieder so weit. 12 Auszubildende aus verschiedenen Brandenburger und Berliner Unternehmen reisten mit zwei Betreuern aus Fürstenwalde auf die Insel im Indischen Ozean. Die Auszubildenden besuchten in der ersten Woche des Aufenthaltes gemeinsam mit ihren Gastschülern den Unterricht an unserer Partnerschule Lycée Professionnel in Saint Louis. So lernen die deutschen Auszubildenden das französische Schulsystem kennen. In dieser Zeit wohnten die Schüler in der Pension Papa-Daya in Saint-Pierre.

Nach der Schulwoche ging es in die Gastfamilien. Bei einem Picknick an einem Strand in der Nähe von Saint-Joseph übernahmen die Gastfamilien ihre Schützlinge. In den Gastfamilien können sich die deutschen Auszubildenden persönlich der Kultur und Mentalität der Réunionnais nähern. Das sie sich dabei Grundkenntnisse der französischen und auch der kreolischen Sprache aneignen, versteht sich von selbst! Der gastgebende Schüler begleitete seinen deutschen Schüler beim Praktikum in seinem Betrieb auf der Insel. Die Auswahl der Betriebe war dabei sehr unterschiedlich. So arbeiteten einige Auszubildende beim Neubau von Versorgungseinrichtungen der Französischen Armee, weitere am Umbau eines Terminals des Flughafens von Saint-Pierre, im örtlichen Versorger Stamelektro, beim Neubau einer chinesischen Pagode und auf Baustellen verschiedener Dienstleister mit. Sehr schnell stellten die deutschen Auszubildenden oftmals gravierende Unterschiede zwischen der deutschen und französischen Arbeitskultur fest.

In der Freizeit und an den Wochenenden erkundeten die Schüler auch die Insel und besuchten den Vulkan Piton de la Fournaise, die Hochebene Forêt des Makesund einige Museen zu Geschichte und Kultur. Einige Auszubildend mieteten sich ein Boot und fuhren auf den Ozean zum Hochseeangeln. Natürlich gehörten Strandbesuche zum Programm. Besondes gefiel den Auszubildenden Plage de l'Ermitage, der schönste Strand auf der Insel.

An Ende des Aufenthaltes stellt das DFS Saarbrücken für jeden Schüler ein Zertifikat aus, das sie im Rahmen des Europasses verwenden können.

Im April 2013 fand der Gegenbesuch der französischen Freunde statt. Der Verlauf ähnelt dem auf La Réunion und alle Beteiligten bemühen sich, unseren Gästen die gleiche Gastfreundschaft zukommen zu lassen, die sie selbst auf der Insel erfahren haben!

In der ersten Woche wohnten die Réunionnais in der Pension Lennart in Fürstenwalde. Die Schüler besuchten in der ersten Woche den Elektrotechnikunterricht im Oberstufenzentrum Oder-Spree. Hier konnten sie das deutsche Schulsystem kennenlernen. In dieser Woche waren die Schüler zum ersten mal in ihrem Leben bowlen. Eine ganz neue Erfahrung für die Jungen Réunionesen. Auf der Insel gibt es nur ein Bowlingzentrum in der Inselhauptstadt in Saint Denise.

Nach der ersten Woche ging es dann auch in die Gastfamilien. Die Arbeitsstellen der französischen Schüler waren auf Brandenburg und Berlin verteilt. Unter anderem absolvierten die Schüler ein 2 wöchiges Praktikum bei der Firma ABB in Berlin, bei Goodyear Dunlop Tires (einem Reifenwerk) in Fürstenwalde, bei der Firma Repower (einem Windkraftanlagenhersteller) in Trampe und in verschiedenen Elektroinstallationsunternehmen des Handwerks wie z.B. Firma Büch in Lebus.

Nach diesen 2 Wochen hatten die Schüler noch die Möglichkeit, eine Woche die Umgebung zu erkunden. Eine Tour ging ins Zentrum von Berlin. Hier besuchten die Schüler die East-Site-Galerie, den Alexanderplatz, den Fernsehturm, das Rote Rathaus, den Gendarmenmarkt, den Check-Point Charly, das Brandenburger Tor und am Ende des Tages noch den Kurfürstendamm.

Natürlich wurde auch eine Radtour durch Fürstenwalde unternommen. Hier besuchten die Schüler den Fürstenwalder Dom. Hier mussten wir feststellen, dass es Probleme gab. Für das auf der Insel vorherrschende multikulturelle Leben kennt eben auch Grenzen. Die Schüler mit thamilischen Glauben waren nicht zum Besuch des evangelischen Gotteshauses zu bewegen. Auf der anderen Seite kannte der begleitende Superintendent die Vorurteile der katholisch-kreolischen Kirche zur evangelischen Kirche. Er stellte deshalb den Marienaltar in der Seitenkrypta vor und erklärte, dass die Fürstenwalder katholische Gemeinde diesen Bereich des Doms nutzt. So viel Ökumäne war für die jungen Réunionesen kaum zu fassen.

Da auch die Gedenkstätte des sowjetischen Internierungslagers in Fürstenwalde-Ketschendorf besucht wurde, konnten sich die Gäste einen Eindruck zur Vergangenheitbewältigung der Fürstenwalde Bürger machen. Das KZ-Außenlager Sachsenhausen und die ehemals militärische Bunkeranlage Fuchsbau in Fürstenwalde beeindruckten die Gäste am meisten. Wie man sich zu Zeiten des Kalten Krieges im Osten eingebunkert hat, um u.a. den Luftraum von und nach Westberlin zu kontrollieren, war den jungen Réunionesen völlig unbekannt.  

Zum Abschluss der vier Wochen fand in der Pension Lenart ein Grillabend statt. Hier verabschiedeten sich die deutschen Schüler von ihren französischen Freunden.  

Ingolf Pötsch und Petra Weber

Ankunft in St. Denise
 
Mechatroniker in St. Denise Flughafen
Karte der Insel
 
Blick von den Bergen auf den Indischen Ozean
Multikulturelle Bevölkerung beim Tanz am Hafen
 
Partnerschule Lycée Professionnel Les Roches Maigres in Saint Louis
Gemeinsames Abendessen in der Unterkunft
 
 
Museumsbesuch La Saga du Rume
 
Blick auf den Vulkan